Beginners Mind im Detailing

Dieser Blogbeitrag richtet sich vornehmlich an prof. Detailer.

Ziel ist ein Bewusstsein für Überraschungen zu schaffen. Und es gibt einen Ansatz, wie man Überraschungen vermeidet.

 

Was es für Überraschungen geben kann - ein Beispiel aus dem echten Leben

Ein Detailer bekommt einen Auftrag für ein Full-Detailing. Der Kunde für diese hochwertige Aufbereitung ist ein Neukunde.  Beim Erstgespräch berichtet der Kunde von seiner Unzufriedenheit über ein Detailing bei einem anderen Aufbereiter.

Der unilack schwarze Wagen hat, laut dem Kunden, bereits Probleme bei Beschichtungen. Diese brechen schnell ein. Der Kunde ist unzufrieden und nimmt Geld in die Hand für eine grundlegende Aufbereitung  mit 3 gängiger Politur und ein highend Coating.

Dem Detailer fällt während der Arbeit am Wagen auf: nach dem 3 gängigen Polierverfahren macht das Entfetten mit dem sonst unproblematischen eigens angemischten Entfetter Probleme. Es werden feinste Kratzer in den Lack gezogen. Und es bildet sich ein Haze (ein Grauschleier).

Nach einigen Überlegungen wird deshalb eine Hybrid-Primer Politur einsetzt, weil dies ein Entfetten erspart. Nach ca. 2h wurde die Versiegelung aufgetragen. Nach 3h eine weitere Schicht. Die Beschichtung bricht erneut nach wenigen Tagen bereits ein. Der Kunde reklamiert Nachbesserung. In einem aufwändigen Polierverfahren wird die Beschichtung entfernt. Wieder bildet sich ein grauschleier beim Entfetten.

Die Probleme mit den Mikrokratzern beginnen aufs Neue. Der Lack dieses Wagens ist unglaublich "zickig". Nach 15h weiterer Arbeit am Wagen wurde das Problem dann auf unkonventionelle Art gelöst. Es wurde eine Finish-Politur (kein Hybrid Primer Polish) ausgefahren und dann ohne Entfetten beschichtet. Erst so konnte sich ein optimales Dropping-Verhalten und Beading erzielen und der Kunde war happy.  

 

Was will uns dieses Beispiel zeigen - die Analyse

In einer Analyse wurden einige Kompliaktionen offensichtlich.

Der Haze - das lag am selbstgemischten Entfetter. Die eingesetzten Tenside haben nach dem Ablüften des Alkohols des Entfetters ein  feines weißes Pulver als Rückstand hinterlassen.

Lösung: Nutzung von fertig abgestimmten reinen PreCleanern, die vollkommen rückstandslos  ablüften (ideal: NEOWAX ZERO)

Die Tücher zum Entfetten waren nicht ideal, weil zu kurzfaserig.

Lösung: Neue edgeless Tücher mit mind. 350 gsm und mittelflorigen Fasern schonen den Lack und hinterlassen keine Kratzer (ideal: NEOWAX FINISHER)

 

Hybrid-Primer Polituren müssen zwingend vollständig trocknen, damit eine Vermischung mit dem Coating nicht stattfindet.

Lösung: Mindestens 24h warten bzw. per IR-Lacktrockner trocknen. Ideal: Getrennte Steps ohne Hybid Primer Polituren, da NEOWAX Coatings nicht auf die Primer-Polituren anderer Hersteller abgestimmt sind.

Was können wir machen, um Überraschungen zu vermeiden?

 

 

Das Gegenmittel gegen Überraschungen

Im Projektmanagement nennt man das Prozedere "Auftragsklärung". Bei der Auftragsklärung geht es geht darum, die Erwartungshaltungen, Ziele und die Ausgangssituation sauber zu analysieren.

 

Klare Ziele bei einem Auftrag sind das A und O. Und das ideale Gegenmittel für Überraschungen.

 

Gerade bei hochpreisigen Projekten, die viele Schritte und viele Stunden Arbeit bedingen, ist es enorm wichtig vorab zu planen und in einer gründlichen Auftragsklärung smart nachzufragen.

 

Auftragsklärung für Detailer

Detailing ist von Aussen betrachtet ein linearer Prozess, der immer gleich abläuft. Man kann dazu z.B. unseren Blogbeitrag lesen. Dies ist die Grundlage und nun kommen wir zum Problem: dem "echten Leben".

Das Problem ist, dass es im echten Leben unglaublich viele Variablen gibt. Es gibt dutzende verschiedene:

  • Lacke und Lackzustände
  • Polituren
  • Reiniger
  • Coatings
  • Wachse
  • Vorherige Aufbereitungen (vorherige Beschichtungen mit super harten Coatings alter Technologie?)

 

Unser Job aus Sicht NEOWAX, also als Hersteller von Wachsen und Coatings, ist es die Produkte zu perfektionieren. Doch es ist nicht verrückt zu sagen, dass es alles Mögliche an Problemen geben kann.

Es gibt eine englische Abkürzung namens "GIGO". Garbage in - Garbage out. Darum: Fragen. Fragen. Fragen.

 

Tief zuhören und viele Fragen stellen ist der Schlüssel.

Je mehr Infos man hat, desto besser kann der Detailing-Prozess umgesetzt werden. Probleme können früh benannt werden. Folgende Fragen sind z.B. bei einer Auftragsklärung hilfreich:

  • Welche Schwierigkeiten gab es mit dem Wagen ggf. bei vorigen Aufbereitungen?
  • Was hat der Kunde selbst gemacht „Wie pflegen Sie Ihren Wagen normalerweise?“
  • Welche Coatings hat der Lack bereits gehabt? Wie wurden sie ggf. entfernt?
  • Ist auf dem Wagen ein empfindlicher Lacktyp, welcher bekannt für Probleme ist?
  • Gab es Neu- oder Überlackierungen ("smart repair")?
  • Was ist dem Kunden wichtig?

 

Alles was Du hörst - überlege - auch, was wird zwischen den Tönen mitgeteilt?

Bei der Auftragsklärung ist die Einstellung des Detailers wichtig. Dein Kunde muss spüren, dass der Detailer sich auf der gleichen Seite befindet. Sonst erzählt er nichts von Problemen voriger Aufbereitungen.

Es geht also nicht darum den Auftragswert hoch zuspielen mit künstlichen Problemen. Keine Negativität, sondern es geht darum, auf Augenhöhe, als Autoliebhaber, als detailverliebter Experte für Lack - die bestmögliche und effektivste Aufbereitungsmethode zu bestimmen. Ehrlich und verantwortungsvoll - und besser nicht mit dem Impetus von manchen Handwerkern, nach dem Motto "Das wird teuer....".

Bei der Kontrolle des Fahrzeugs mit der Lackkontrolllampe bietet es sich an einen Test-Spot mit ZERO-PreCleaner zu machen, um Silikone oder Wachse zu entfernen und den tatsächlichen Zustand des Lacks zu offenbaren.

Mit einem Lackdickenmessgerät an wenigen Stellen und einem geübten Blick erkennt man vorherige Polituren.

Ideal ist eine Dokumentation der Punkte im Auftragsprotokoll. Dies vermeidet Überraschungen nach der Übergabe. Der erste Reflex ist schwere Aufträge abzulehnen. Aber ist der Unterschied zwischen Standard-Aufbereitung und Detailing nicht genau dieser?

Manchmal geht es darum unkonventionelle Lösungen zu finden. Ein uns bekannter Fall: eine klassische Nanoversiegelung als einzige Möglichkeit (als Basecoat) fürs einigermaßen erträgliche Standzeiten von modernen SiO2-Keramikversiegelungen. Klingt völlig widersinnig. Aber war in einem Fall die einzige Lösung für eine lange Standzeit.

 

Fazit

Mögliche Lösungen - auch wenn sie nicht ideal sind, ist z.B. ein Coaten ohne Entfetten bei empfindlichen Uni-Lacken. Immer die Herstellerangaben beachten und dies eher defensiv nach dem Vorsichtsprinzip. Temperaturen und Wartezeiten nach der Nutzung von Hybrid Primer-Polituren sind ein kritischer Punkt. Je einfacher und spezieller die Produkte sind, desto besser.

Auch wenn ein Coating bei einem Auto perfekt funktioniert, kann es sein, dass es auch anderen Lacken bzw. anderen Anwendungsart inkompatibel ist. Auch wenn es die wenigsten Detailer wirklich machen: die Herstellerangaben inkl. Wartezeiten von chemischen Produkten bitte sorgfältig lesen und sich daran halten.

Das heisst, um Probleme zu vermeiden, bietet es sich an in einem sauberen Prozess mit unabhängigen Einzelschritten zu arbeiten. Je einfacher desto besser. Das heisst im Normalfall auf Hybridprodukte verzichten. Erst Politur, dann Entfetten (mit möglichst reinen Entfettern (keine Tenside!) und dann Beschichten. Getrennte und unabhängige Schritte sind weniger anfällig für Wechselwirkungen. Unsere Coatings vertragen sich nicht mit Hybrid-Primern anderer Herstellersysteme.

Als Detailer ist wichtig ein "Beginners Mind" immer behalten.

Es gibt nichts, was es nicht gibt!

Wir müssen manchmal unkonventionell denken und neues Testen. Und manchmal gibt es Lösungen, die erstmal nicht erwartet werden. Gleichzeitig muss man eine Routine haben, den Prozess fürs Detailing kennen und darf nicht am Material sparen: gute Tücher, rückstandslose Entfetter, korrekte Applikation und Wartezeiten sind das A und O für eine perfekte Arbeit. Und das alles benötigt eine gründliche Auftragsklärung, damit man sich ggf. an Widrigkeiten anpassen kann.

Wir hoffen dieser etwas theoretische Artikel hat etwas zur Klarheit und Situation im "echten Leben" beigetragen. Es ist nur die bescheidene Meinung des Autors - wenn Du anders denkst oder Ideen und Anregungen hast: die Diskussion ist eröffnet! Welche Beispiele für Überraschungen hast Du?

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